Santiago de Chile. Der US-amerikanische Tech-Milliardär Peter Thiel hat sich in Chile hinter verschlossenen Türen mit Präsident José Antonio Kast getroffen. Das Treffen blieb wochenlang außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Es gab weder Fotos noch offizielle Mitteilungen oder Presseberichte dazu.
Erst nachdem der chilenische Abgeordnete Gonzalo Winter eine offizielle Auskunft verlangt hatte, veröffentlichte die rechtsradikale Regierung eine Mitteilung über die Begegnung. Die Angaben aus La Moneda blieben jedoch knapp. Demnach sei das Treffen kurz gewesen und habe dem Austausch über die Herausforderungen künstlicher Intelligenz im Staatsapparat gedient. Es gebe weder Register über die Beteiligten noch weitere Dokumente zum Treffen. Kast machte ebenfalls keine Angaben und berief sich auf die Vertraulichkeit seiner Kommunikation als Staatsoberhaupt. Es habe sich lediglich um ein Treffen zweier Menschen mit gemeinsamen Interessen gehandelt.
Winter forderte dagegen mehr Transparenz. Da sich zunächst kein Eintrag in der öffentlichen Agenda des Präsidenten gefunden habe, warf der Abgeordnete zwei grundlegende Fragen auf: "Warum wurde das Treffen geheim gehalten? Und wenn es um künstliche Intelligenz und ihren Einsatz im Staat ging, warum wurde nicht offengelegt, wer sich getroffen hat?"
Die Besorgnis von Politikern der Opposition richtet sich insbesondere auf die politische und wirtschaftliche Biografie des US-Milliardärs: Peter Thiel ist nicht nur Mitgründer des Online-Bezahldienstes PayPal und des Herstellers der Überwachungssoftware Palantir, sondern auch ein einflussreicher politischer Förderer. Einerseits unterhält Palantir unter anderem Verträge mit dem US-Militär, während Thiel die politische Karriere des heutigen US-Vizepräsidenten J.D. Vance finanziell unterstützte. Thiel vertritt zudem ultrarechte politische Positionen. "Ich glaube nicht, dass Demokratie und Freiheit miteinander vereinbar sind", erklärte er bereits 2009.
Thiel studierte Philosophie an der Stanford University und wurde stark vom französischen Philosophen René Girard beeinflusst. Dessen These zufolge imitieren Menschen die Wünsche anderer, wodurch Rivalität, Ressentiments, Gewalt und die Suche nach Sündenböcken entstehen können. Thiel übertrug diese Gedanken auf seine eigene Weltsicht und entwickelte daraus die Vorstellung, dass sich der wirkliche Innovator um jeden Preis von der Masse abheben müsse.
Während seiner Studienzeit gründete er gemeinsam mit anderen die Stanford Review, eine ultrakonservative Publikation, die sich gegen Multikulturalismus und vermeintlich progressive Orthodoxien auf dem Campus richtete. Das Blatt entwickelte sich über die Universität hinaus zu einem Netzwerk, aus dem zahlreiche Akteure der technologischen Rechten hervorgingen, deren Einfluss heute bis in die Trump-Regierung reicht.
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Thiel gehörte zu den wichtigsten Unterstützern der ersten Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps und gilt als einflussreicher Verbündeter in den höchsten Kreisen der Republikanischen Partei und der "MAGA"-Bewegung. Mit "The Diversity Myth" veröffentlichte er zudem eine Kritik am Multikulturalismus.
Mit PayPal begann Thiels Aufstieg im Silicon Valley. Ursprünglich verfolgte das Unternehmen unter anderem die Idee einer unabhängigen, von staatlicher Kontrolle losgelösten globalen Währung. Thiel unterhält außerdem enge Beziehungen zum argentinischen Präsidenten Javier Milei. Beide teilen nach Einschätzung von Beobachtern Vorstellungen über die Rolle des Staates, wirtschaftliche Regulierung und technologische Entwicklung.
Diese Verbindung hat sich zuletzt verstärkt. Thiel baut seine geschäftlichen und politischen Beziehungen in der Region aus und betrachtet den südlichen Teil Südamerikas zunehmend als strategischen Standort. Thiel ist mittlerweile sogar wohnhaft in Buneos Aires. Für den 1. und 2. September ist ein Termin in Argentinien angekündigt. Thiel soll im Rahmen der Veranstaltung "Vientos de Cambio" auftreten, die von Libertad y Progreso, der Reason Foundation und dem Archbridge Institute organisiert wird.
Die Veranstaltung fällt in die politische Debatte über das als "Ley de Tierras" bezeichnete Gesetz, mit dem die Milei-Regierung ausländischen Investoren den Zugang zum Landerwerb erleichtern wollte. Aufgrund des Drucks aus der Zivilgesellschaft ist das Gesetz in seiner aktuellen Form zwar vorerst gescheitert, jedoch nicht endgültig vom Tisch.
Milei und sein Berater Demian Reidel haben zudem angekündigt, Argentinien zu einem Zentrum für künstliche Intelligenz entwickeln zu wollen. Dabei setzen sie auf das Atomenergieprogramm des Landes sowie auf die Standortvorteile Patagoniens für den Bau von Rechenzentren und technologischer Infrastruktur. Als Gründe werden die natürlichen Ressourcen der Region und ihre geopolitische Lage genannt.

