Honduras: Garífuna protestieren für Land und Gerechtigkeit

Protestcamp vor Oberstem Gerichtshof in Tegucigalpa. Anlass ist der Konflikt um ein Grundstück in San Juan

destacada-pagina-web-8.jpg

Garífunas oder Tourismusmafia? Der Landkonflikt in Honduras spitzt sich zu
Garífunas oder Tourismusmafia? Der Landkonflikt in Honduras spitzt sich zu

Honduras. In Honduras organisiert die Organización Fraternal Negra Hondureña (OFRANEH) seit einer Woche ein Camp vor dem Obersten Gerichtshof des Landes. Der Zusammenschluss von 46 Garífuna-Gemeinden reagierte damit auf die Zuspitzung eines seit 2006 andauernden Landkonflikts: In der Gemeinde San Juan beansprucht das Tourismusunternehmen Promotur ein großes Grundstück, das sich jedoch im angestammten Territorium der Garífuna-Bevölkerung befindet. 

Am 6. Juli 2026 hatten zwei Hundertschaften der Polizei San Juan gestürmt und das betroffene Land unter Zwang geräumt. Fünf Landrechtsverteidiger:innen der Garífuna-Organisation OFRANEH wurden dabei festgenommen (amerika21 berichtete). Es war der vorläufige Höhepunkt einer strukturellen Kriminalisierung: Den Mitgliedern wird Nähe zur Organisierten Kriminalität vorgeworfen, der Fall wurde an ein Bundesgericht verwiesen.

Einem am Tag der Festnahme eingerichteten Protestcamp auf dem betroffenen Grundstück folgte nun dessen Einrichtung vor dem Justizgebäude in der Hauptstadt. Mehrere Hundert Garífuna fordern seitdem vor Ort die endgültige Einstellung des Strafverfahrens gegen die fünf Verschleppten, die Achtung des Urteils des Interamerikanischen Gerichtshofs zu ihren Gunsten sowie ein generelles Ende der Kriminalisierung, Verfolgung und Gewalt gegen die Garífuna-Bevölkerung. Das Camp soll bis dahin "für unbestimmte Zeit" bestehen. "Der Kampf des Garífuna-Volkes geht weiter und richtet sich gegen einen Staat, der trotz zahlreicher eingereichter Rechtsmittel weiterhin verfassungsrechtliche und vertragliche Garantien verletzt. Wir rufen nationale und internationale Menschenrechtsorganisationen, indigene und BIPOC-Organisationen, Bäuer:innenverbände, soziale Bewegungen und Solidaritätsorganisationen dazu auf, sich diesem Garífuna-Camp anzuschließen und es zu unterstützen."

Der Fall von San Juan steht dabei in den Augen der Garífuna für den grundlegenden Angriff auf ihre Autonomie, Lebensweise und ihr Territorium: "Sie wollen die gesamte Atlantikküste für touristische Megaprojekte freigeben. Wenn wir weiterhin schlafen, werden wir verschwinden", erklärt die indigene Anführerin Melissa Martínez aus Punta Gorda. Der Menschenrechtsaktivist Mabel Robledo verweist auf die aktuellen Megaprojekte als Fortführung der historischen kolonialen Invasionen in das Garífuna-Gebiet: "Bevor Honduras ein Staat wurde, hatten wir bereits unser Land. Wir sind seit 1.797 hier. Wenn man nachrechnet, wird man feststellen, dass wir, als Honduras 1837 ein Staat wurde, bereits seit 49 Jahren hier waren. Wir sind keine Besetzer, wir sind Erben."

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit. Regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Angesichts der ausbleibenden Reaktion des Staates auf die eingereichten Rechtsmittel der Garífuna gegen den Raub ihres Landes fordern die Protestierenden vor dem Obersten Gerichtshof auch die Anerkennung der Nichtanwendbarkeit des aktuellen Agrarindustriegesetzes.

Im langen Kampf gegen das Eindringen von internationalen Unternehmen und Nationalstaaten zur Ausbeutung der Garífuna-Territorien kommt es dabei immer wieder zu tödlichen Angriffen auf ihre Gemeinden. Auftragskiller und Militärs ermorden seit Jahrzehnten gezielt Anführer:innen der sozialen Organisation der Garífuna und weiterer indigener Gemeinschaften. Das aktuelle Protestcamp vor dem Obersten Gerichtshof befindet sich am Ort der dauerhaft eingerichteten Mahnwache "Campamento Viva Berta". 2016 wurde die Umweltaktivistin Berta Cáceres im Protest gegen ein Wasserkraftwerk ermordet, an dem sich unter anderem der deutsche Konzern Siemens beteiligt hatte. Der aktuelle Kampf der Garífuna wird vor Ort von Bertas Camp aus als mit diesem verbunden betrachtet: "Wir stehen nicht für politische Farben, wir sind ein geeintes Volk", beteuert Martínez.

Am 17. August 2026 versuchten erneut Polizeieinheiten, das gemeinsame Protestcamp aufzulösen. Jessica Trinidad vom nationalen Netzwerk der Verteidiger:innen der Menschenrechte erklärt: "Der Kampf wird niemals vergeblich sein. Wir sind uns sicher und vertrauen darauf, dass die Gerechtigkeit auf unserer Seite ist. Dieses Camp wird nicht aufgelöst, bis der Fall der fünf gefangenen Garífuna abgeschlossen ist oder nach Tela verlegt wird, wo er hingehört. Die Genossen aus San Juan sind keine Kriminellen".