Mexiko und Brasilien erkunden Tiefsee Ölfelder im Golf

Pemex und Petrobras vereinbaren die gemeinsame Suche nach Erdölvorkommen im Golf von Mexiko. Umweltgruppen warnen vor Gefahren und fordern den Ausstieg aus fossilen Energien

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Magda Chambriard (Petrobras) und Juan Carlos Carpio Fragoso (Pemex) unterzeichnen Zusammenarbeit
Magda Chambriard (Petrobras) und Juan Carlos Carpio Fragoso (Pemex) unterzeichnen Zusammenarbeit

Mexiko-Stadt. Das mexikanische Staatsunternehmen Pemex und die brasilianische Petrobras haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um "Tiefsee- und Ultra-Tiefsee-Erdölvorkommen im Golf von Mexiko zu erkunden". Mit der Allianz sollen zudem weitgehend erschöpfte Felder wiederbelebt und die mexikanische Petrochemie gestärkt werden.

Für den kürzlich neu ernannten Generaldirektor von Pemex, Juan Carlos Carpio, schafft die Erklärung "einen Rahmen für die strategische und technische Zusammenarbeit, um gemeinsam potenzielle Projekte zu bewerten, zu entwickeln und umzusetzen."

Umweltorganisationen warnen, dass die Vereinbarung zwischen den beiden größten Ölkonzernen Lateinamerikas auch Risiken für eine Region berge, deren Küstenbewohner von Fischerei und Tourismus leben. Erst im vergangenen Frühjahr kämpfte fast die gesamte mexikanische Küste des Golfs mit den Folgen einer Ölpest (amerika21 berichtete).

Renata Terrazas Tapia, Leiterin der Nichtregierungsorganisation Oceana, weist darauf hin, dass die Ölförderung in der Tiefsee im Gegensatz zur Förderung in flachen Gewässern (in einer Tiefe von weniger als 500 Metern) risikoreicher ist und "größere Herausforderungen bei der Eindämmung von Unfällen oder Ölunfällen im Golf von Mexiko mit sich bringt".

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In einer gemeinsamen Presseerklärung schreiben die Organisationen, das Memorandum erscheine zu einem Zeitpunkt, an dem Mexiko mit immer schwerwiegenderen Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert sei. Die mexikanische Regierung vertiefe damit die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter, anstatt "eine gerechte und auf erneuerbare Energien ausgerichtete Energiewende voranzutreiben."

Nach der jüngsten Krise der Ölpest von Pemex entließ Präsidentin Claudia Sheinbaum deren Direktor Víctor Rodríguez Padilla. Um dem Staatsunternehmen neue Impulse zu geben, wurde zudem eine Beratungskommission zu dessen strategischer Ausrichtung gebildet. Den Vorsitz übernahm der historische Führer der mexikanischen Linken, Cuauhtémoc Cárdenas Solórzano, Sohn des Präsidenten Lázaro Cárdenas, der 1939 die US-amerikanischen Unternehmen enteignete und die Erdölindustrie mit dem Unternehmen Petróleos Mexicanos (Pemex) verstaatlichte. In einer ersten Stellungnahme der Beratungskommission schlug Cuauhtémoc Cárdenas vor, der klassische Erdölkonzern müsse sich zu einem Energieunternehmen wandeln, das dazu beitrage, den negativen Auswirkungen des Klimawandels entgegenzuwirken.

Neben Umweltbedenken sorgen auch operative Faktoren von Pemex für Unsicherheit. Im Umfeld der Geschäftsführerin des brasilianischen Unternehmens Petrobras, Magda Chambriard, überrascht die hohe Zahl der 132.721 Pemex-Mitarbeiter, mit einem hohen Anteil an Stellen in der Verwaltung im Vergleich zu den Arbeitsbereichen Exploration und Produktion. Der mexikanische Konzern produziert rund 1,6 Millionen Barrel Öl pro Tag. Demgegenüber fördert Petrobras 2,4 Millionen Barrel mit der Hälfte der Mitarbeiter, nur rund 20 Prozent sind in der Unternehmenszentrale tätig. Das stark verschuldete mexikanische Unternehmen verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 28 Milliarden Pesos (etwa 1,4 Milliarden Euro). Dies in einem Umfeld, in dem private Konzerne dank hoher Marktpreise Rekordgewinne melden.

Nach Angaben der Analyseabteilung der Bank Banamex besteht für die mexikanisch-brasilianische Allianz zudem ein politisches Risiko. Ein politischer Wechsel im brasilianischen Präsidentenamt nach den Wahlen vom Oktober 2026 könnte zu einer Neuausrichtung des Geschäftsplans von Petrobras führen.