Oaxaca de Juárez/Tuxtla Gutiérrez. Am Sonntag hat das Nationale Komitee zur Verteidigung der Chimalapas eine Erklärung veröffentlicht, in der die Einrichtung einer "Sonderkommission auf Bundesebene" zur Beisetzung des anhaltenden Territorialkonflikts in der Chimalapas-Region im südlichen Isthmus des Bundesstaates Oaxaca vorgeschlagen wird. Sie solle sich "aus allen Institutionen des Agrarsektors, des Umweltsektors, des Bereichs der indigenen Rechte sowie dem Obersten Gerichtshof der Nation zusammensetzen“, geleitet durch "Vertreter der Gemeindeverbände von Santa María und San Miguel."
Ziel sei eine "ständige Überwachung" und auch ein "Stimmrecht" in der Schlichtung des Landstreits. Zuvor hatte sich auch die Präsidentin Claudia Sheinbaum bei einem Besuch im Bundesstaat Chiapas unter Anwesenheit des Gouverneurs Eduardo Ramírez geäußert. Sie stützte dabei das ursprüngliche Urteil des Obersten Gerichtshof, der im November 2021 entschied, dass die umkämpften 160.000 Hektar, in denen auch die indigenen Zoque-Gemeinden Santa María und San Miguel liegen, zum Bundesstaat Oaxaca gehören. José Urbina, Vorsitzender der Anwaltskammer in Chiapas, kündigte daraufhin an, eine schlichtende Funktion zur friedlichen Beilegung einnehmen zu wollen, "für den Frieden und die territoriale Brüderlichkeit zwischen Oaxaca und Chiapas".
Seit 35 Jahren kritisieren indigene Landrechtsverteidiger:innen und Kleinbäuer:innen in einem der Waldgebiete mit der höchsten Biodiversität Mexikos und Mesoamerikas die "Invasion" der Chimalapas-Region in Oaxaca durch illegale Agrargemeinschaften aus dem benachbartem Bundesstaat Chiapas. Miguel Ángel García Aguirre, Koordinator des Nationalen Komitees zur Verteidigung der Chimalapas und der Organisation "Maderas del Pueblo", betonte vor wenigen Tagen angesichts der aktuellen Entwicklungen erneut den politischen Hintergrund dieser Ansiedelungen: "Wie kam es zur Ausstellung von Eigentumsurkunden für Kleinbesitz und staatliche Landtitel auf dem Gemeindeboden der indigenen Dörfer Santa María und San Miguel Chimalapa? Diejenigen, die diese Änderung der Landbesitzverhältnisse vorantreiben, sind Eigentümer großer Holzunternehmen, die ihre Sägewerke zuvor in Cintalapa betrieben."
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Gemeinsam mit Landes- und Bundesbehörden hätten Teile der mächtigen Eliten in Chiapas auf diese Weise Großgrundbesitz, Abholzung, Viehzucht und Drogenhandel in die wertvollen Nebelwälder der Chimalapas ausgeweitet. Lokaler Widerstand gegen diese illegale Landnahme wurde dabei von Beginn an auch gewaltsam unterdrückt, erst 2021 hatten neue paramilitärische Gruppen von Chiapas aus in den Konflikt eingegriffen, vorausgegangen war das Urteil des Obersten Gerichtshof zugunsten der Verteidiger:innen der Chimalapas-Region, zu welchem Sheinbaum nun fünf Jahre später Stellung nahm. Im Mai 2026 folgte zuvor eine teilweise Revision der Urteile, was auch in Mexiko-Stadt zu Protesten führte (amerika21 berichtete).
Gemeindevertreter aus Santa María und San Miguel Chimalapa erklärten vergangene Woche in einer gemeinsamen Deklaration, "dass dieser Vorgang ein Bild von Korruption und der Verletzung indigener Rechte zeichnet sogar der Verletzung des Agrargesetzes durch den Agrargerichtshof selbst." Sie weisen gleichzeitig darauf hin, dass die politischen und wirtschaftlichen Eliten beider Bundesstaaten gezielt ärmere, indigene Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausspielen würden: Mehrere der illegalen Siedlungen werden von angesiedelten Tsotsilen bewohnt, die ursprünglich in Chiapas lebte: "Die Gemeindemitglieder von San Miguel bekräftigten im August 2026 daher ihr Angebot aus den Jahren 1991, 1992, 1993, 1994, 1995, 2000 und 2011 am mehr als 30 landwirtschaftliche Siedlungen chiapanekischen Ursprungs", hieß es zuletzt in der Erklärung des CNDCh: "Statt als Schutzschild und Kanonenfutter missbraucht zu werden", sollten sich die Tsotsil-Familien in die Gemeinden Chimalapas integrieren: Es sei darauf hingewiesen, "das acht landwirtschaftliche Siedlungen aus Chiapas zwischen 1994 und 2017 ähnliche Angebote akzeptierten und seitdem in Frieden mit den Chimas zusammenleben".
Zuletzt hatten die Annährungsversuche weniger Erfolg: Während eine erste Frist des erneuerten Angebots zum friedlichen Zusammenleben am 4. September auslief, kam es in Cintalapa (Chiapas) zu öffentlichen Demonstrationen gegen die "Chimas" – dabei wurde die Möglichkeit angedeutet, dass erneut paramilitärisch geprägte Schlägertrupps in den Konflikt eingreifen könnten, die Regierung von Chiapas schloss auch den Einsatz der umstrittenen neuen Polizeieinheit der "Pakales" nicht aus. "Vor diesem Hintergrund ist die Geduld der Los Chimos verständlicherweise am Ende", heißt es in ihrer jüngsten Erklärung, "wir verstehen nicht, wie und warum Nachlässigkeit, Unfähigkeit, Korruption und politische Interessen seitens der Behörden, die dafür verantwortlich sind, diesen Konflikt unter Einhaltung von Recht und Gerechtigkeit zu lösen, die Überhand gewonnen haben. Mehr als 500 Gemeindemitglieder der Chimalapas vom Ort Díaz Ordaz aus ihr Angebot an die Siedlungen bekräftigen – ein letztes Mal." Es gehe ihnen um den "sozialen Frieden in der wichtigsten Bioregion des Landes".

