Honduras: Werden Garífunas für Reality-Show "Survivor" vertrieben?

Der Staat ignoriert erneut ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs. Internationale Delegation dokumentiert schwere Übergriffe

cayos_cochinos.jpg

Gemeinden fordern ein Ende der Reality Show
Gemeinden fordern ein Ende der Reality Show

La Ceiba/Tegucigalpa. Die Repression und gewaltsamen Übergriffe gegen afro-indigene Gemeinschaften in Honduras gehen weiter. Seit dem 14. September bedrängen Polizeieinheiten Bewohner:innen auf der Inselgruppe Cayos Cochinos, die gegen die Dreharbeiten einer Reality-Show protestieren. Die als Naturschutzgebiet deklarierten Inseln im Karibischen Meer werden seit Jahren für die Dreharbeiten genutzt, aktuell soll eine neue Staffel des Programms Survivor, produziert vom spanischen Unterhaltungsunternehmen Cuarzo Producciones, aufgenommen werden. Die Garífunas fordern, ihr Territorium zu respektieren, und kritisieren die negativen Auswirkungen der Dreharbeiten auf die Umwelt.

Miriam Miranda, Koordinatorin der Organisation OFRANEH, verurteilte die Polizeiaktion: "Die Polizei kommt, um die Garífuna in Cayos Cochinos zu unterdrücken und zu vertreiben. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte".

Die Cayos Cochinos sind ein Archipel, bestehend aus den zwei großen Inseln Cayo Menor und Cayo Grande und 14 kleineren Koralleninseln, die 30 Kilometer nordöstlich von La Ceiba an der Nordküste von Honduras liegen. Für die Verwaltung des Naturschutzgebietes sind der honduranische Staat und die Stiftung Cayos Cochinos zuständig. Zudem sind einige Inseln im Besitz von Unternehmergruppen wie dem Konsortium Sociedad de Inversiones Ecológicas (SIEC), das mit der Fundación Azteca Honduras und dem mexikanischen Geschäftsmann Ricardo Salinas Pliego verbunden ist. Das Volk der Garífuna bewohnt das Gebiet seit über zweihundert Jahren. Sie beanspruchen das angestammte und kollektive Eigentum an diesen Inseln und Meeren, ein Recht, das durch Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte bestätigt wurde.

Über den Tellerrand schauen?

Mit Ihrer Spende können wir Ihnen täglich das Geschehen in Lateinamerika näher bringen.

Dieser hat am 20. November 2025 Honduras der Verletzung der Rechte der Garífuna-Gemeinschaft in Cayos Cochinos schuldig gesprochen. Der Gerichtshof stellte fest, dass der Staat bei der Ausweisung und Verwaltung des Schutzgebiets Cayos Cochinos im Jahr 1993 und bei darauf folgenden Maßnahmen und Regelungen weder das Recht der Garifuna auf vorherige, freie und informierte Zustimmung garantierte noch angemessene Verfahren zur Umsetzung dieses Rechts einrichtete. Dabei wurden laut dem Urteil die Rechte des Garífuna-Volkes auf kollektives Eigentum, kulturelle Identität, Nahrung, persönliche Unversehrtheit und Teilhabe verletzt. Der honduranische Staat wird durch das Urteil unter anderem verpflichtet, das Gesetz über die vorherige, freie und informierte Zustimmung anzupassen und die Beteiligung der Garifuna an der Planung, Verwaltung und Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit der Erhaltung und der nachhaltigen Nutzung des Schutzgebiets Cayos Cochinos zu gewährleisten.

Die Schikanen gegen die Bewohner:innen von Cayos Cochinos sind nur das jüngste Kapitel der Gewalt und Rechtsverletzungen gegen die Garífunas in Honduras. Seit August unterhalten OFRANEH und solidarische Organisationen ein Protestcamp vor dem Obersten Gerichtshof und fordern die Einhaltung der vier Urteile des interamerikanischen Gerichtshofes zugunsten der Garífuna-Dörfer und die sofortige Einstellung des Strafverfahrens gegen fünf Mitglieder der Gemeinde San Juan, Tela, die seit einer illegalen Räumung im Juli 2026 kriminalisiert werden (amerika21 berichtete). 

Vom 17. bis 19. September befand sich eine internationale Delegation in Honduras, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen und Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren und anzuprangern. Die 30 Organisationen und Medien, die sich an der Delegation beteiligten, fordern, dass der Staat Honduras seinen nationalen und internationalen Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte nachkommt. "Die nationalen Behörden, die nationale und transnationale Wirtschaftsinteressen schützen, haben ein soziales, politisches und rechtliches Umfeld geschaffen, in dem indigene Gemeinschaften ungeschützt sind und die Verteidigung ihrer Rechte ein riskantes Unterfangen ist. Honduras gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt für Menschenrechtsverteidiger", heißt es in der Abschlusserklärung.