Polizei in Chile fasst Anführer der Mapuche nach fünf Jahren

Jorge Huenchullán bei Razzia in Temucuicui gefasst. Fahndung lief seit fünf Jahren. Staat wirft ihm Waffenbesitz und Handel mit Marihuana vor

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Jorge Huenchullán in traditioneller Kleidung vor einem Schild: "Temucuicui resiste". (Temucuicui leistet Widerstand)
Jorge Huenchullán in traditioneller Kleidung vor einem Schild: "Temucuicui resiste". (Temucuicui leistet Widerstand)

Temucuicui. In Chile hat die Polizei bei einer Razzia einen bekannten Anführer der indigenen Mapuche verhaftet. Jorge Huenchullán, der "Werkén" oder Sprecher der Gemeinde Temucuicui, wurde am vergangenen Dienstag in einer Operation nach fünf Jahren Fahndung gefasst. Dem 49-jährigen Huenchullán werden durch den chilenischen Staat Waffenbesitz und Handel mit Marihuana vorgeworfen.

Gemeinsam mit Huenchullán wurde auch seine Freundin in der am frühen Morgen durchgeführten Operation festgenommen. Auf den Einsatz mit zahlreichen gepanzerten Fahrzeugen und einem Militärhelikopter reagierten Teile der Gemeinde mit Schüssen. Bei der Razzia gab es jedoch keine Verletzten.

Die Gemeinde Temucuicui fordert Autonomie vom chilenischen Staat im Rahmen der Forderungen nach der Rückgabe des Landes der Mapuche. Die Gemeinschaft organisiert sich in Selbstverwaltung außerhalb des chilenischen Staatswesens.

Auf der Pressekonferenz nach der Festnahme von Huenchullán versicherte die Ministerin für Sicherheit, Trinidad Steinert, dass die Regierung versucht, die Kontrolle über das Territorium zurückzugewinnen: "Wir werden nicht aufhören. Es darf keine Gebiete geben, in denen der Staat nicht präsent sein kann."

Auf die Verhaftung des Mapuche-Anführers folgten mehrere Brandanschläge in der Region Wallmapu. Nur einige Stunden nach der Festnahme, um 13:30 Uhr (Ortszeit), setzten Maskierte auf dem Landgut Miraflores einen LKW und eine Forstmaschine in Brand und fesselten die Mitarbeiter. Sie hinterließen ein Transparent, das auch die Freiheit anderer in Haft befindlicher Mapuche fordert.

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Ein zweiter Brandanschlag ereignete sich in Curacautín, wo drei Forstmaschinen in Brand gesetzt wurden. Nach Angaben der Polizei soll sich der Vorfall am Mittwochmorgen ereignet haben.

"500 Jahre Widerstand lassen sich nicht durch eine Medienshow definieren. Vollständige Rückgabe von Wallmapu. Gegen die Unterdrückung. Aktion und territoriale Kontrolle. Freiheit für die Peñis [Brüder] des Grollmus-Falls und alle P.P.M. [politischen Gefangenen der Mapuche] sowie R.M.M. [Mapuche-Widerstand Malleco]", stand auf einem hinterlassenen Transparent.

In einer Stellungnahme richtete sich auch die Gemeinschaft von Temucuicui an die Öffentlichkeit. Auch sie kritisierte die mediale Ausschlachtung der Festnahme und wies darauf hin, dass der Werkén sich niemals komplett von seiner COVID-19-Infektion erholte. Die Gemeinde erklärte zudem, dass Huenchullán sich dazu entschied, sein Umfeld keinem Risiko auszusetzen, das Menschenleben gefährden könnte.

Trotz anders lautender Versprechen setzte auch schon Präsident Gabriel Boric in seiner Amtszeit auf eine stärkere Militarisierung der Auseinandersetzung und verlängerte den Ausnahmezustand seines damaligen Vorgängers Sebastián Piñera.

Kein indigenes Volk leistete so lange Widerstand gegen die spanische Kolonialmacht wie die Mapuche. Der Widerstand wird bis heute gegen den chilenischen Staat fortgesetzt. Der teilweise auch bewaffnet ausgetragene Konflikt im Süden Chiles dreht sich um den Anspruch der Mapuche auf ihre historischen Gebiete und das Interesse an der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen durch große Forstbetriebe, Agrarunternehmer und Energievorhaben.