Quito. Drei Jahre nach dem historischen Referendum zum Schutz des Yasuní-Nationalparks sind zwei Mitglieder des Umweltkollektivs YASunidos zu Geldstrafen von insgesamt rund 18.000 US-Dollar verurteilt worden. Die Sanktionen gehen auf ein Verfahren des Nationalen Wahlrats (CNE) wegen mutmaßlicher Unregelmäßigkeiten bei der Finanzierung der Kampagne für das Referendum zurück. Der CNE hatte beim Wahlgericht (TCE) eine Beschwerde gegen YASunidos eingereicht. Dabei ging es unter anderem um nicht vorgelegte Kontoauszüge des Wahlkampfkontos, unvollständige Buchhaltungsunterlagen, verspätet eingereichte Wahlkampfberichte und fehlende Nachweise über die Herkunft von Spenden Dritter. Nach Angaben von YASunidos betraf eine der beanstandeten Differenzen lediglich 39 Cent.
Amnesty International wertet die Sanktionen gegen YASunidos als Teil einer breiteren Entwicklung. Die Menschenrechtsorganisation berichtet von zunehmenden Einschränkungen für NGOs, Umweltorganisationen und Menschenrechtsverteidiger:innen unter Präsident Daniel Noboa. Für Kritik sorgt insbesondere das 2025 verabschiedete Ley Orgánica de Transparencia Social (Gesetz über soziale Transparenz) und die dazugehörige Regulierung. Nach Einschätzung von Amnesty kann das Gesetz die Vereinigungsfreiheit beeinträchtigen.
Zivilgesellschaftliche Organisationen berichteten zudem von blockierten oder geschlossenen Bankkonten, darunter auch von Organisationen aus dem Umwelt- und Menschenrechtsbereich. Amnesty zufolge haben Maßnahmen wie diese eine abschreckende Wirkung auf die Arbeit der betroffenen Organisationen. Auch öffentliche Stigmatisierungen durch hochrangige Regierungsvertreter:innen sowie ein erschwerter Zugang zu öffentlichen Informationen und ein eingeschränkter Dialog mit Behörden tragen nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation zu einem zunehmend schwierigen Umfeld für die Zivilgesellschaft bei.
Ein Gericht erster Instanz hatte zunächst zugunsten des Kollektivs entschieden. Es argumentierte, YASunidos könne wegen der betreffenden Vorschriften nicht wie eine politische Partei behandelt werden, da es sich um eine Bürger:inneninitiative handele. Nach Einspruch des CNE verhängte ein Berufungsgericht jedoch Geldstrafen gegen Sofía Torres, die Finanzbeauftragte des Kollektivs, und Pedro Bermeo, den juristischen Berater. Die Strafen wurden inzwischen bezahlt. Torres wies die Vorwürfe gegenüber Mongabay zurück. Es gehe um einen Unterschied zwischen Inhalt und Form, sagte sie. Die Angaben seien vollständig transparent gewesen und hätten eine Prüfung der Finanzen ermöglicht.
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YASunidos legte eine außerordentliche Verfassungsschutzbeschwerde ein, die am 7. Mai 2026 angenommen wurde. Das Verfahren ist damit noch nicht abgeschlossen.
Bereits im Oktober 2025 hatten UN-Menschenrechtsexpert:innen in einer Pressemitteilung vor zunehmender Repression und einer Verschlechterung des zivilgesellschaftlichen Raums in Ecuador gewarnt. Im Zusammenhang mit Protesten und staatlichen Sicherheitsmaßnahmen äußerten sie unter anderem Bedenken hinsichtlich der Versammlungs- und Meinungsfreiheit.
YASunidos hatte über Jahre für ein Ende der Erdölförderung im Nationalpark Yasuní gekämpft und spielte eine zentrale Rolle bei der Organisation des landesweiten Referendums vom 20. August 2023. Damals stimmten 59 Prozent der Wähler:innen dafür, die Erdölförderung im Block 43-ITT im Yasuní einzustellen. Die Umsetzung des Votums steht allerdings bis heute aus. Die im Zusammenhang mit dem Referendum vorgesehene Frist für den schrittweisen Rückzug von Ölfirmen aus dem Gebiet endete im August 2024. Ein von der Regierung vorgelegter Plan sieht inzwischen einen Abschluss des Rückzugs erst für 2034 vor.
Der rund 10.200 Quadratkilometer große Yasuní-Nationalpark im ecuadorianischen Amazonas zählt zu den artenreichsten Regionen der Welt. In dem Gebiet leben unter anderem die in freiwilliger Isolation lebenden indigenen Gruppen der Tagaeri und Taromenane.

