Santiago. Parteivorstände mehrerer Parteien haben haben sich in Chile auf eine Einheitsliste mit dem Ziel geeinigt, im November eine stabile Mehrheit im Parlament zu bilden. Dies soll eine mögliche Präsidentschaft von Jeannette Jara absichern.
Zu den Parteien gehören das Frente Amplio (FA) von Präsident Gabriel Boric, die Partido Socialista (PS), die Partido Comunista (PC), die Partido Demócrata Cristiano (PD) und die sozialdemokratischen Parteien Partido por la Democracia (PPD), Partido Radical (PR) und Partido Liberal (PL). Zwei kleinere Parteien, die Federación Regionalista Verde Social (FRVS) und die Partido Acción Humanista (PAH) haben aus wahltaktischen Gründen eine eigene Liste eingereicht. Ursprünglich waren sie an den Verhandlungen zur Einheitsliste "Unidad por Chile" beteiligt. Sie entschieden sich jedoch für eine eigene Kandidatur, da ihre Personalvorschläge nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Sie bestätigten jedoch ihre volle Unterstützung für Jara.
Eine so breite Koalition von links, von der Kommunistischen Partei bis zur politischen Mitte und Christdemokraten, ist einmalig in der Geschichte Chiles. Entsprechend kompliziert war das Ringen um einen Kompromiss. Ausgangspunkt der Verhandlungen war das Anrecht der zur Wiederwahl stehenden Parlamentarier auf den ersten Listenplatz. Danach einigte man sich auf Kandidaten, die aktuell einen hohen Bekanntheitsgrad haben.
Schließlich musste noch eine Eigenheit des chilenischen Wahlgesetzes, die sogenannte Verdopplung, berücksichtigt werden. Im einfachsten Fall gewinnen die Kandidaten mit den meisten Stimmen der meistgewählten Listen. Wenn es aber der Liste mit den meisten Stimmen gelingt, die Stimmen der zweitgrößten Liste zu verdoppeln, dann nimmt sie einen zweiten Kandidaten mit ins Parlament. So gibt es im heutigen Parlament Abgeordnete, die weniger als ein Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten. Bei der Aufstellung der Kandidatenliste muss also eine Verdopplung des rechten Spektrums verhindert und eine eigene möglichst erreicht werden.
Die Koalition von Jeannette Jara einigte sich für die 28 Wahlbezirke auf 183 Kandidaten zum Parlament. Auf Platz eins und zwei sind jeweils die Kandidaten mit den besten Wahlaussichten gesetzt.
Die Kommunistische Partei machte sich für die Kandidatur des ehemaligen Bürgermeisters von Recoleta Daniel Jadue (amerika21 berichtete) stark und setzte damit ein politisches Zeichen. Gegen Jadue wird seit über vier Jahren wegen angeblicher Delikte im Zusammenhang mit den von ihm initiierten Volksapotheken ermittelt. Er befindet sich momentan unter Hausarrest und wartet auf einen Gerichtstermin, was nicht ausreicht, um ihm das passive Wahlrecht zu entziehen.
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Im Wahlbezirk acht kandidiert Gustavo Gatica (amerika21 berichtete) als Unabhängiger auf der Liste der Kommunistischen Partei. Er hatte sich zuerst angeboten, auf der Liste der Frente Amplio zu kandidieren, wurde aber abgelehnt. Bei den sozialen Protesten 2019 schoss ein Polizist mit Gummigeschossen gezielt in die Menge und verursachte bei Gatica Erblindung an beiden Augen. Er schloss 2022 sein Studium der Psychologie ab und wartet bis heute auf eine Verurteilung des verantwortlichen Polizisten. Er bedankte sich öffentlich für die Möglichkeit, auf der Liste der PC zum Parlament kandidieren zu können.
Alle vier Jahre wird die Hälfte des Senats, der die 16 Regionen Chiles vertritt, erneuert. Ein Senator bleibt damit insgesamt acht Jahre im Amt. Je nach Größe der Region werden zwei bis fünf Senatoren in die 50-köpfige Kammer gewählt. Auf der Liste Einheit für Chile kandidieren drei Vertreter für die FA, sieben für die PS, drei für die DC, jeweils fünf für PPD und PC und schließlich je drei für PR und PL. Auf der Liste der Kommunistischen Partei kandidiert als Unabhängige Elisa Loncon von der Mapuche-Gemeinschaft Lefweluan für die Region Araucanía. Loncon war Präsidentin der verfassungsgebenden Versammlung von 2021-2022 und wurde dadurch über die Grenzen Chiles hinaus bekannt. In einem Interview versprach Loncon im Senat diejenigen zu vertreten, deren Stimmen immer zum Schweigen verurteilt waren. Dabei bezog sie sich insbesondere auf die indigenen Frauen.
Zusammen mit der Einschreibung der Einheitsliste stellte Jara ihr Wahlkampfkommando und einen Programmentwurf vor. Dort heißt es: "Dieses Programm wird gemeinsam mit den Menschen, den sozialen Organisationen, der organisierten Gemeinschaft und technischen Experten entwickelt. Unser Markenzeichen ist und bleibt, aktiv zuzuhören und für das zu arbeiten, was uns verbindet."
Eine faire, inklusive und nachhaltige Wirtschaftspolitik soll mehr und bessere Arbeitsplätze schaffen, um die Lebensqualität für die Bevölkerung zu verbessern. Die Politik der inneren Sicherheit müsse das organisierte Verbrechen und den Drogenhandel mit konkreten Maßnahmen bekämpfen, um die öffentlichen Räume zurückzugewinnen und sicherer zu machen. Der Staat soll sich in erster Linie Verantwortung für die Entwicklung des Gesundheitssystems, des öffentlichen Bildungssystems und des sozialen Wohnungsbaus übernehmen, um würdige soziale Lebensbedingungen für die Menschen zu schaffen.
Jara hat eine Wahlkampftour begonnen, bei der sie 18 der wichtigsten Städte besuchen wird und die am 14. September in Santiago endet. Dabei kann sie sich auf die entstehenden regionalen und kommunalen Wahlkommandos stützen.

