Washington. Das Südkommando der US-Streitkräfte (Southcom) hat am Montag einen neuen Angriff auf ein Boot im Ostpazifik bekanntgegeben, der sechs Todesopfer gefordert hat. Damit ist die Gesamtzahl der Toten im Rahmen der US-Operation "Südlicher Speer" auf über 150 angestiegen.
In der offiziellen Erklärung hieß es, dass "die Geheimdienste bestätigt haben, dass das Schiff bekannte Drogenhandelsrouten im östlichen Pazifik befuhr und in illegale Aktivitäten verwickelt war". Die als "Drogenterroristen" bezeichneten sechs Besatzungsmitglieder sind bei dem Luftangriff getötet worden, hieß es in der Erklärung.
Damit sind in den letzten neun Monaten bei Angriffen der USA im Karibischen Meer und im Pazifik insgesamt 45 Boote zerstört und mindestens 150 Menschen getötet worden. Die Operation "Südlicher Speer" war im September 2025 von US-Präsident Donald Trump ausgerufen worden, mit dem Ziel, den Drogenschmuggel in die USA zu bekämpfen.
Laut der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde DEA wird jedoch der größte Teil der Drogen, die aus Lateinamerika in die USA gelangen, auf dem Landweg über Mexiko eingeführt. Zudem dürften beim Transport über das Meer Kleinboote wie die regelmäßig von den USA bombardierten nur eine untergeordnete Rolle spielen.
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So wurde die zunehmende militärische Präsenz der USA vor allem in der Karibik von vielen Expert:innen zunächst als Drohkulisse gegenüber Venezuela interpretiert. Am 3. Januar griffen die USA das südamerikanische Land militärisch an und entführten Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores.
Die Bombardierung von Kleinbooten hat jedoch seither nicht aufgehört. Zuletzt haben die USA angekündigt, die Operationen in Zusammenarbeit mit Ecuadors Regierung auszuweiten. Auch zu Lande fanden vergangene Woche erste gemeinsame Einsätze der Streitkräfte Ecuadors und der USA gegen ein Lager von Farc-Dissident:innen in Ecuador statt (amerika21 berichtete). Die Kooperation mit Ecuador erfolgt, obwohl das Umfeld von Ecuadors rechtsgerichtetem Präsidenten Daniel Noboa nach Recherchen des investigativen Netzwerks Organized Crime and Corruption Reporting Projekt (OCCRP) wegen möglicher Verbindungen zum internationalen Kokainhandel unter Verdacht steht (amerika21 berichtete).
In einer Ansprache anlässlich der Amerikanischen Konferenz gegen Kartelle am 5. März erklärte US-Kriegsminister Pete Hegseth, die USA erwarteten von den lateinamerikanischen Staaten eine erweiterte militärische, geheimdienstliche und polizeiliche Kooperation im Kampf gegen Drogenkartelle. Gleichzeitig betonte Hegseth, die USA seien bereit, offensiv gegen Kartelle vorzugehen, notfalls auch allein.
Unter Völkerrechtler:innen gelten die andauernden Angriffe der USA auf Boote auf offenem Meer weithin als illegal. Es ist bisher kein Fall bekannt, in dem ein Boot angehalten und auf Drogen durchsucht wurde. Ebenso wurde den Besatzungen keine Möglichkeit eingeräumt, sich zu ergeben. Stattdessen werden Boote aus der Luft versenkt und die Menschen an Bord getötet. Deshalb müssen die Angriffe nach Meinung von Expert:innen als außergerichtliche Tötungen oder gar als Verbrechen gegen die Menschheit betrachtet werden.

