Lima. Sicher in der Stichwahl und auf dem ersten Platz mit weniger als 20 Prozent der Stimmen liegt in Peru die rechte Kandidatin Keiko Fujimori. Der ultrarechte Kandidat Rafael López Aliaga und Roberto Sánchez von der linken Partei Juntos por el Perú liegen beim Kampf um den Einzug in die Stichwahl nahezu gleichauf.
Nach Auszählung von knapp 94 Prozent der Stimmen kommen Sánchez auf 11,97 Prozent, López auf 11,93 Prozent, die beiden trennen nur knapp 7.000 Stimmen. Sánchez hatte nach den ersten Auszählungen noch auf dem fünften Platz gelegen und konnte danach immer weiter aufholen. Dies liegt daran, dass er in abgelegenen ländlichen Regionen viel Zuspruch hat, die zuletzt ausgezählt werden.
Die Wahl fand am Sonntag statt. Da etwa 52.000 Wähler:innen am Wahltag nicht abstimmen konnten, konnte in einigen Wahllokalen in Lima noch am Montag gewählt werden (amerika21 berichtete).
Bis Mittwoch waren 90 Prozent der Stimmen ausgezählt, seitdem geht die Auszählung nur noch sehr langsam voran. Bis zur Auszählung von 100 Prozent der Stimmen könnten noch einige Tage oder sogar eine Woche vergehen, schrieb das Portal Infobae am Donnerstag. Als Gründe nannte Infobae die Komplexität des Wahlprozesses der allgemeinen Wahlen sowie Verfahrensfehler. Außerdem müssten Wahlurnen aus den abgelegenen Landesteilen per Flugzeug transportiert werden.
Für zusätzliche Anspannung sorgte der rechte Kandidat López. Er sprach von einem Betrug bei den Wahlen und rief seine Anhänger zu einem "Aufstand" auf. Der Nachrichtensender CNN wies darauf hin, dass es keine Beweise für einen Betrug gab. Trotzdem veröffentlichte López auf seinen sozialen Netzwerken einen Aufruf, in dem er Beamten eine Belohnung von 20.000 Soles (etwa 5.800 US-Dollar) in Aussicht stellte, wenn sie ihm Beweise für den behaupteten Wahlbetrug liefern würden.
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Mittwochnacht wurde der Aufruf nach Kritik zwar wieder gelöscht, nach Medienberichten wird er aber unter seinen Anhängern weiterverbreitet. Auf seiner Facebookseite war allerdings am Donnerstag ein erneuter Aufruf zu Anzeigen wegen Wahlbetrug zu finden, allerdings ohne die angekündigte Belohnung. Auch behauptete der Anwalt von López, "Venezolaner und vorbestrafte Peruaner" seien an der Auszählung beteiligt. Die Wahlbehörde habe diese Behauptungen bisher nicht bestätigt. Verschiedene Gruppen würden "Beweise und eine offizielle Stellungnahme zur Aufklärung des Sachverhalts fordern", hieß es in einem Beitrag der Medienseite Perú.
Sánchez reagierte in einer Stellungnahme am Donnerstag auf die Vorwürfe seines Konkurrenten. Das Verhalten von López drohe das Land ins "Chaos zu stürzen" und diene "nicht der Verteidigung der Demokratie", erklärte er gegenüber CNN. Bei swissinfo hieß es, "die Stimmen der südlichen Bevölkerung Perus, der Anden-, Quechua-, Amazonas- und ländlichen Gebiete müssen respektiert werden, ob es López Aliaga gefällt oder nicht". In einer Stellungnahme von Juntos por el Perú schrieb die Partei: "Die Wahlbeobachter der Europäischen Union haben an den Wahltagen keine Indizien für Betrug festgestellt".
Unterstützung erhielt López dagegen von Ricardo Belmont, ehemaliger Bürgermeister von Lima und Kandidat für die in der politischen Mitte stehende Partei OBRAS, der aktuell auf dem fünften Platz liegt. Laut Belmont hätten Politik und Medienschaffende ein Interesse an einer zugespitzten Stichwahl, daher sei López "eliminiert" worden, wurde er bei Infobae zitiert.
In einzelnen Departamentos liegt Sánchez sogar vor Fujimori. Der linke Kandidat liegt aktuell in zwölf der 24 Departamentos vorn, Fujimori in zehn, und in jeweils einem Departamento führen López und Belmont.

